Die Webdesigner von GoInnovative haben hier einen doch recht langen Blogartikel darüber verfasst, was für Vor- und Nachteile gekaufte Themes mit sich bringen… als jemand, der selbst Tag für Tag mit WordPress und solchen gekauften Themes arbeitet fand ich den Artikel dann doch recht… interessant.

Warum kauft man Themes überhaupt?

Wenn ich für die meine Kunden eine Webseite erstelle, nutze ich zumeist Avada, das am Häufigsten verkaufte WordPress-Theme auf Envato, einem Markt (nicht nur) für WordPress-Themes & Plugins. Das kostet mich erstmal 60 US$ und hat den Vorteil, dass ich mich um den technischen Unterbau nicht groß kümmern muss und Updates recht regelmässig von den Entwicklern veröffentlicht werden, wie man am Changelog einfach feststellen kann. Ähnlich verhält es sich bei den im Artikel erwähnten Themes Divi, The X und Enfold. Ist übrigens ein Vorteil, den die Kollegen bestimmt nur vergessen hatten zu erwähnen… kann ja mal vorkommen.

Auch wage ich die Behauptung aufzustellen, dass ich Avada so gut kenne, dass ich weiß, was ich wie einzustellen habe, damit der Kunde später eine maßgeschneiderte Seite von mir erhält… weil diese Themes sind sogar recht flexibel, was die Anpassungen betrifft. Bestes Beispiel ist die Demo-Seite von Avada dafür, die findet Ihr hier: https://avada.theme-fusion.com

Und was ist mit den im Artikel genannten Nachteilen?

Schauen wir uns die Nachteile im Artikel doch mal genauer an.

#1 Performance

Der Autor/Die Autorin des Artikels behauptet, dass das Unternehmen „nahezu täglich“ Mails erhält, wo die Kunden sich über die schlechte Performance ihrer Webseite beschweren. Das hat, Überraschung, erstmal nichts mit dem Theme zu tun, sondern kann zig verschiedene Ursachen haben, angefangen beim Standort des Servers über das Hosting-Paket, andere Seiten auf dem gleichen Server bis hin zu falsch dimensionierten Bildern und ja, auch das Theme kann eine Ursache sein.

Aber, bis auf das Theme sind die Gründe für die Performance unabhängig vom Theme. Und gerade die „großen“ Themes wie Avada sind, was die PageSpeed betrifft, teils um Längen schneller als so manches Custom-Theme, was ich gesehen habe. Beispiel gefällig?

PageSpeed-Bewertung einer Webseite mit Custom Theme
PageSpeed-Bewertung der Avada-Demoseite

Klar, die Leute von ThemeFusion kennen ihr Theme in- und auswendig und wissen, an welchen Schrauben sie zu drehen haben. Aber wenn die das können, kann das ein/e professioneller WebdesignerIn auch. Von daher ist der Punkt definitiv widerlegt.

#2 Benutzerunfreundlichkeit bei der Inhaltspflege

WordPress hat (erstmal) zwei Post Types. Beiträge (für Blog-Artikel z.B.) und Seiten. Klar, mittels Custom Post Types kann ich noch mehrere erstellen, diese haben dann zumeist aber einen Sinn. Nutze ich Avada, habe ich geringfügig mehr Einträge (siehe Bild rechts), dafür habe ich dann aber auch mehr Optionen zur Verfügung. Wobei ich einzelne Elemente wie z.B. Portfolio oder FAQs auch deaktivieren kann.

Aber genau das gleiche Problem, was Ihr bei Euch beschreibt, kann ich auch mit nem Custom Theme generieren. Einfach drölfzig CPTs anlegen und die Leiste ist voll. Dazu dann noch nen Slider, Yoast, also ein paar Plugins dazu und voll ist die Seitenleiste… hat also nichts mit dem Theme an sich zu tun.

#3 Erweiterbarkeit und Individualisierung sehr kostspielig

Nehmen wir wieder Avada als Beispiel, kann man, wie auf deren Demoseiten zu sehen ist, mit ein und dem selben Theme seine Seiten recht stark individualisieren. Will ich Avada bzw. die Seite erweitern, kann ich entweder dann dazu ein Plugin kaufen mit den gewünschten Funktionen oder aber einen Programmierer mit der Programmierung beauftragen. Das habe ich allerdings auch bei Custom Themes, die mich initial um einiges mehr kosten. Und auch wenn Ihr schreibt, dass der Aufwand für die Integration höher als bei einer Eigenentwicklung sei… nö, dem ist nicht so. Der ist genauso hoch wie ob ich nun Benzin bei Esso oder Shell tanke. Oftmals sogar noch geringer, da gut programmierte Plugins sich an die Standards von WordPress halten.

#4 Kein Unikat

Ich könnte schon wieder auf die Avada-Demoseiten verlinken, aber, weil ich Divi auch mag, hier mal ein Link zu den Divi-Demoseiten. Man muss mit den Themes halt arbeiten können 😉

Aber ernsthaft. Ob und wie eine Seite aussieht, hat nur bedingt mit dem drunterliegenden Theme zu tun. Da kommen mehr Faktoren ins Spiel. Bildsprache z.B. Oder Typographie. Oder Farbgebung. Oder Kreativität (bzw. der Mangel an selbiger).

Beispiel für super Design mit einem der Kaufthemes gefällig? Brautbluete.de wurde mit Enfold realisiert und erreichte 2017 den ersten Platz beim IHK Award 2017 in der Kategorie Layout und Design.

#5 Sicherheit

Suche ich nach Avada auf wpvulndb.com, finde ich exakt eine Sicherheitslücke, diese war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung allerdings schon längst behoben. Spricht also gerade für Avada. Und da es Updates kostenlos gibt, spart der Kunde da sogar Geld, während die meisten Anbieter für Custom Themes für Updates nach einem gewissen Zeitraum dann Geld verlangen (womit der Kunde weiter zur Kasse gebeten werden kann)… machen auch manche Kauf-Theme-Ersteller, die meisten jedoch haben kostenlose Updates mit an Bord.

Zudem, Avada, Divi etc. sind hunderttausendfach im Einsatz. Ein Custom-Theme (im besten Fall) nur einmal. Wo ist die Wahrscheinlichkeit nun höher, dass (nicht nur sicherheitsrelevante) Fehler gefunden werden?

#6 Einarbeitung

Gerade Avada wird von meinen Kunden ob der einfachen Handhabung, was die Erstellung von Content betrifft, geschätzt. Und Dank öffentlicher Ressourcen wie der Dokumentation, aber auch Nutzergruppen auf Facebook & Co. ist es recht einfach Hilfe zu bekommen, wenn man mal nicht weiter weiß. Bei nem Custom Theme dagegen benötigt man im ärgsten Fall den Support des/der Theme-Ersteller.

Ähnlich verhält es sich mit WordPress im Allgemeinen. Über 80% Marktanteil erhöhen die Wahrscheinlichkeit immens, dass man wen kennt, der einem helfen kann. Craft CMS hat dagegen einen Marktanteil von unter einem Prozent. Wie hoch ist da die Wahrscheinlichkeit, ohne teuren Support Hilfe zu bekommen? Quelle für die Zahlen findet Ihr übrigens hier: https://www.datanyze.com/market-share/wcms/craft-cms-vs-wordpress/

Fazit

Nein, Themes von der Stange sind nicht schlecht und Custom Themes haben auch ihre Berechtigung… auch wenn für die meisten Anwendungsfälle diese zumindest gering ist. Was den Artikel, ich hätte mir eine seriösere, weniger „die-sind-böse“-gefärbte Abarbeitung am Thema gewünscht und nicht ein Artikel à la „Multi-Purpose-Themes sind schlecht, weil generisch, aufgebläht und langsam“… weil so eine Aussage ist einfach nicht haltbar. Selbst im Kontext des Artikels, soll dieser doch letzten Endes nur für deren Leistungen werben.

Veröffentlicht von Joachim Wendt

Ich bin der Betreiber dieser (und anderer) Webseiten, dazu freiberuflicher Webdesigner und vieles mehr.

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3 Kommentare

  1. Hallo Jo,
    ich hatte ja auf dem Meetup versprochen mir die Seite (den Blog) anzusehen. Und ich muss sagen, der Gefällt mir richtig gut, die unterschiedlichen Themen, und besonders den Sprach-/Schreibstil.
    Zu diesem Artikel kann ich nur zustimmen, es kommt hauptsächlich drauf an was man daruas macht (machen kann).
    Freu mich schon aufs nächste Meetup 🙂
    Peter

  2. Moin Joachim!

    Wenn schon Beispiele gefällig sind, dann mach doch gerade mit Beispielen aus der realen Avada-Welt weiter.
    Wie wäre es z.B. mit den Webseiten aus deinem Portfolio? Ach so, geht ja nicht – Keine der Seiten hat mehr als 10 von 100 Punkten erreicht.

    Webseite – 6/100 Punkte
    Webseite – 10/100 Punkte
    Webseite – 10/100 Punkte

    Gruß

    1. Servus Lukas,

      Wow, das ist die komplette Replik auf meinen Post? Ich war mal so frei & habe die Links entfernt, sowohl auf die Seiten als auch auf Eure Seite, nicht wegen Linkjuice oder so, sondern weil das hier mein privater Blog ist und ich diesen nicht werblich nutzen mag (anders als Ihr mit Eurem Blog), weder für meine eigene Unternehmung noch für andere. Der einzige Link auf die Webseite meiner Unternehmung ist ein Post, bei dem ich mich nach Veröffentlichung hier entschlossen habe, ihn auch dort zu posten. Hoffe, dass Du das verstehst und wer sich für meine Unternehmung interessiert, kann die Suchmaschine seiner/ihrer Wahl nutzen.

      Anyways, ich habe kein Problem, auf die Replik einzugehen. Ja, die Seiten sind langsam, gebe ich zu, wobei alle drei Seiten performancelastige Plugins wie Slider Revolution nutzen und Inhalte von mir dort nicht mehr hochgeladen werden. Ihr hättet sogar meine eigene Seite als Vergleich anbringen können, 20/100, läuft auch unter Avada. Aber mir ist meine eigene PageSpeed recht egal, ich akquiriere meine Kunden primär anderweitig. Was die anderen Seiten betrifft, werden dort zumeist die Bilder bemängelt. Also Bildgröße, Dateigröße & Dateiformat. Zusätzlich sind dort noch performanceintensive Plugins wie Slider Revolution installiert, die ziehen die Pagespeed natürlich auch runter. Soll keine Ausrede sein, no worries, das ist berechtigte Kritik von Dir, aber das allein auf Avada zu schieben ist dann doch recht kurzsichtig.

      Ich hatte ursprünglich auf Facebook Euch mal angeboten, einen kleinen Contest zwischen Euren underscore-„Themes“ und einer Avada-Seite mit gleichem Layout & Content zu machen. Den Post habt Ihr gelöscht. Schade eigentlich, ich hatte die Hoffnung, dass Ihr darauf eingehen würdet. Als Einsatz hätte man ja ne Spende an Sea Watch oder so vereinbaren können.

      Aber was ist mit den anderen 5 Punkten? Darauf gehst Du nicht ein? Mhmm, schade eigentlich. Ich hatte eigentlich auf einen professionellen Diskurs über die Thematik gehofft. Aber wenn das die einzige Replik von Dir ist, scheine ich ja mit den anderen Punkten nicht unrecht gehabt zu haben… oder kommt da noch was?

      Zu guter Letzt: Ich sage nicht, dass selbständig entwickelte Themes oder auch underscore-Themes schlecht per sé sind. Ich sage nur, dass Euer Rant über Avada & Co. fachlich gesehen falsch ist. Selbst Ihr arbeitet ja mit Multi-Purpose-Themes wie z.B. Jupiter. Ich komme mit Avada wahrscheinlich schneller ans Ziel wie mit nem underscore-Theme. Einfach, weil mir das Theme die Möglichkeiten in die Hand gibt, die ich sonst mir noch coden müsste. Und die Möglichkeiten, die ich nicht benötige, kann ich einfach mit nem Mausklick abschalten. Und meine Kunden sind von mir später unabhängig und werden regelmässig kostenfrei mit Updates versorgt. Zusätzlich können sie ihre Seiten & Beiträge (& CPTs) recht easy entweder mittels Fusion Builder oder Gutenberg bearbeiten. Bei einem Custom-Theme hängt da zumeist dann wieder ein Wartungsvertrag hinten dran wegen irgendwelcher Hooks, Shortcodes usw.

      In diesem Sinne vielen Dank für die Replik und ich hoffe, Dich bzw. Dein Team demnächst mal auf nem WordPress-Community-Event zu treffen, da lässt es sich recht entspannt miteinander über so Themen sprechen. WordPress Meetup Koblenz z.B. würde sich anbieten.

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